Entstehung und Inhalt des Beratungskonzeptes


Der Name So und So entstand während eines Beratungsgesprächs, in dem ein Ratsuchender bemerkte: „Ich dachte, man muss sich immer einer Sache sicher sein. Dabei darf es auch so und so sein.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass er die Idee entwickelt hatte, seine gelegentlichen Ambivalenzen seien Ausdruck seiner so genannten geistigen Behinderung. Die Nachricht, dass viele Menschen ohne dieses Etikett dieselben Schwierigkeiten mit ambivalenten Gefühlen hätten, sorgte für große Erleichterung. Dafür sensibilisiert begegnete ich dieser Idee auch in zahlreichen anderen Gesprächen immer wieder.

 

Das So und So-Beratungskonzept basiert auf einer humanistischen Menschenbildannahme. Die Beziehung zwischen Berater_in und Ratsuchendem
ist symmetrisch, horizontal, personenzentriert, unabhängig und würdevoll. Grundhaltungen sind, dass der Ratsuchende Experte für seine Lebenssituation
ist und Ambivalenzen Ausdruck von mangelnder Information und/oder Vorsicht.

Die Ziele der Beratung bestimmt der Ratsuchende. Es geht letztlich um eine Erweiterung der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und somit um einen Zuwachs an Vertrauen in die eigenen Kompetenzen.

 

Der Umgang mit den Bildkarten

An den Stellen, an denen verbale Kommunikation an Grenzen kommt oder auch zu Missverständnissen führt, können die Inneren Helfer und der Einsatz von anderen Medien (Becher, Seile, Steine, etc.) Lösungen bieten. Der reduzierte Einsatz von Sprache und die Nutzung visueller Ergänzungen kann schneller zu einer gemeinsamen Kommunikations- und Verständnisebene führen. Das Einnehmen einer Metaebene wird somit für die Zielgruppe möglich und stellt einen erheblichen Beitrag zur Lösungsfindung dar (vgl. Erickson 1993, Mutzeck 2008a,b, Schmidt 2004, 2005). Innere Bilder von Ratsuchenden werden durch die Karten mit den Inneren Helfern greifbar, dinglich gemacht und helfen somit Klarheit zu bekommen. Was vielleicht vorher als diffuses Gefühl, für das kaum Worte gefunden werden konnten vorlag, wird nun einfacher darstellbar und beschreibbar. Frau Tradition in die Mitte des Tisches zu legen und zu sagen „gut – pünktlich“ macht es einfacher für die Beraterin auf die Spur zu kommen, dass es wegen Unpünktlichkeit Ärger in der Werkstatt gab.

 

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Prof. Dr. Sabine Stahl
ist
anerkanntes Mitglied

beim BVPPT e.V.